Der Universelle Gottesdienst

»In unserer modernen Zeit haben wir versucht, Verherrlichung durch Meditationen zu ersetzen. Aber das geht nicht so; vor allem dann nicht, wenn Meditation darauf reduziert wird, auszuprobieren, ob man bestimmte Strahlen produzieren und ob man sich entspannen kann. Das ist weit entfernt von dem, was Meditation in Wirklichkeit ist. ... Es ist diese Dimension [der Verherrlichung], die Hazrat Inayat Khan in den Universellen Gottesdienst und die Gebete einbrachte. Es ist unsere Teilnahme an der kosmischen Messe. Meditation kann ja sehr leicht zu einem Egotrip werden, und der einzige Weg, dieses zu verhindern, besteht darin, die Dimension der Verherrlichung in der Meditation wachzuhalten.« Pir Vilayat Inayat Khan


»Die Zeit ist reif dafür, daß die Menschheit gemeinsam betet, daß sie sich über die Trennungen und Unterscheidungen erhebt und sich gemeinsam vor Gott verneigt und vor den von Gott gesandten Lehrern, Propheten und Meistern, die zu verschiedenen Zeiten auf der Erde gelebt und der Menschheit gedient haben.« Hazrat Inayat Khan

Der Universelle Gottesdienst ist eine besondere religiöse Aktivität des Sufi-Ordens. Sein Name weist auf sein Ziel hin: er soll die Einheit hinter der Vielfalt der religiösen Vorstellungen der Menschheit sichtbar machen; er soll den Anhängern verschiedener Religionen ermöglichen, gemeinsam zu beten und das höchste religiöse Ideal zu verherrlichen; er soll auf die eine Quelle der ewigen Wahrheit aufmerksam machen, in der alle heiligen Schriften ihren Ursprung haben.

»Es ist die Aufgabe der Sufi-Botschaft, die Einheit der Religion zu verbreiten. Sie hat nicht den Auftrag, einen bestimmten Glauben, eine besondere Kirche oder Religion zu fördern. Ihr Werk ist es, die Anhänger verschiedenener Religionen und Glaubensvorstellungen in der weisen Einsicht zu vereinen, daß sie ihrem eigenen Glauben neue Kraft geben und das wahre Licht auf ihn leuchten lassen sollten, ohne daß sie ihre Religion aufgeben müssen. Wenn das gelingt, wird die Menschheit von mehr Vertrauen und Zuversicht erfüllt werden.«

»Der Universelle Gottesdienst ... war die Hoffnung aller Propheten, er war das Gebet und die Sehnsucht aller großen Seelen. Jeder Mensch soll das Licht erkennen, welches in verschiedener Gestalt zu uns gekommen ist: in den Schriften des Buddhismus, im Koran, in der Bibel und genauso in den Lehren Krishnas oder Zarathustras.« Hazrat Inayat Khan

Hazrat Inayat Khan hat 1920 aus tiefer Inspiration diesen Universellen Gottesdienst geschaffen, an dem jeder, gleich welcher Religion oder Konfession er angehört, teilnehmen kann. Der Universelle Gottesdienst ist eine Gelegenheit, in Liebe und Respekt tiefer in die Weisheit und Schönheit der Religionen einzudringen, in die eigene und in die Religion anderer Menschen und Völker.

Auf dem Altar des Universellen Gottesdienstes brennt in der Mitte eine erhöhte Kerze, die die Allgegenwart des göttlichen Seins symbolisiert. Um sie herum werden weitere Kerzen entzündet als Symbole für die großen Weltreligionen, die ihr Licht von dem einen zentralen Licht empfangen. Vor diesen Kerzen liegen die Heiligen Schriften der jeweiligen Religionen. Eingebettet in diese Zeremonie sind die drei großen Gebete von Hazrat Inayat Khan. Die meditative Einstimmung auf die Religionen und ihre Meister, Heiligen und Propheten kann durch Musik, Gesänge oder Lesungen aus deren Schriften ergänzt werden.

Diejenigen, die den Universellen Gottesdienst halten und sich in besonderer Weise der Arbeit für die Einheit in der Vielfalt der Religionen widmen, heißen 'Cherag' (Lichtbringer). Sie werden nach längerer Vorbereitungszeit für diese Aufgabe geweiht.


»Die Aufwertung des Lebens [in der Sufi-Botschaft von Hazrat Inayat Khan] ist in gewisser Weise verbunden mit einem Trend in der Evolution des Gottesbildes - Gott nicht mehr 'dort oben', transzendent, außer Reichweite, sondern als das Universum, uns selbst inbegriffen. Dieser Durchbruch im Gottesbegriff befreit unser Denken von theologischer Beeinflussung. Pir-o-Murshid Inayat Khan kündigte die Spiritualität der Jahrtausendwende an. Er nannte sie die Botschaft der spirituellen Freiheit, befreit von vielen der überholten Anschauungen der Vergangenheit. Beachten Sie auch, daß es sich um ein kollektives Erwachen handelt, nicht ein persönliches, um etwas also, das der Menschheit im Zuge ihrer Entwicklung geschieht.

"Die Botschaft ist das Erwachen des Bewußtseins der Menschheit zur Göttlichkeit des Menschen."
Pir-o-Murshid Inayat Khan

Dies mag als Hinweis dienen, der helfen kann zu verstehen, was mit dem 'Universel' gemeint ist. Es wird nun klar, daß Pir-o-Murshid an jenem letzten Tag, den er mit seinen Murids in Suresnes verbrachte, bevor er nach Indien abreiste, wo er verschied, den nächsten Schritt ankündigte: den Universel jenseits aller 'Ismen'. Dieser Tempel konnte nicht nur ein Gebäude aus Stein sein, eine Unterkunft für die Feier der Einheit der religiösen Ideale; er mußte ein Tempel sein, der aus Menschen besteht - aus Menschen, die durch die Macht des Gebets die spirituelle Botschaft für die Zukunft ankündigen: die befreite Botschaft der geistigen Freiheit.

Die Lösung für das Problem unserer Zeit liegt im Erwachen des Bewußtseins der Menschheit zur Göttlichkeit des Menschen.« Pir Vilayat Inayat Khan


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