Pir Vilayat Inayat Khan

Wenn tatsächlich Liebe der magische Auslöser ist, der die Explosion von Leben bewirkt, die der Kosmos ist, bleibt sie der geheimnisvolle Imperativ hinter unseren menschlichen Bestrebungen, der im Bemühen schöpferischer Geister nach Vollkommenheit offenbar wird, und bringt uns zum Nachdenken über die Bedeutsamkeit unseres Lebens, unseres Strebens, unserer Frustration, unserer Enttäuschungen, unserer Ernüchterung und vielleicht unserer Wiederverzauberung.

Und es ist sie - die Macht der bedingungslosen Liebe -, die uns dazu bringt, den Stolz eines Menschen zu schonen und seine Fehler und Verrücktheiten zu ertragen. Das Paradoxe besteht darin, daß wir dadurch, daß wir unser Gottesideal in einem Menschen sehen und lieben, diesem Menschen helfen, sein wahres Selbst zu achten.

Somit ist Liebe das, was Gott zur Realität werden läßt.
(Keeping in Touch 114)


Pir Vilayat Inayat Khan war das Oberhaupt des von Hazrat Inayat Khan gegründeten Sufi-Ordens. Er wurde am 16. Juni 1916 als zweites von vier Kindern Hazrat Inayat Khans in London geboren und wuchs in Suresnes bei Paris auf. Dort wurde er als ältester Sohn in seinem zehnten Lebensjahr von seinem Vater zum Nachfolger bestimmt.

Bevor Pir Vilayat das Amt übernahm, studierte er an der Universität Sorbonne/Paris Philosophie und Psychologie; in Oxford führte er Forschungsarbeiten in seinem Studienfach Psychologie durch. Außerdem hat er unter Nadia Boulanger an der L'Ecole Normale de Musique de Paris Musik studiert. Während des zweiten Weltkrieges engagierten sich Vilayat als Offizier auf einem Minensuchboot der britischen Marine und seine ältere Schwester Noor als Funkerin in der französischen »Resistance« im Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland. Noor wurde im Konzentrationslager Dachau getötet. Studien der vergleichenden Religionswissenschaft und intensives spirituelles Training bei geistigen Lehrern verschiedener Traditionen, insbesondere des indischen Sufismus, führten ihn in zahlreiche Länder der Welt, bevor er die Leitung des Sufi-Ordens übernahm.

Nach dem Tode seines Vaters war die Sufi-Bewegung von älteren Mitgliedern der Familie geleitet worden. Dieses »Sufi-Movement«, das sich besonders auf das Studium der Lehre Hazrat Inayat Khans konzentriert, besteht weiterhin parallel zum Sufi-Orden. In seinem Anliegen, die Sufi-Botschaft seines Vaters den Menschen unserer Zeit nahezubringen, verband Pir Vilayat die Erfahrungen der Mystiker mit den Erkenntnissen der modernen Wissenschaften. Möglichst vielen Menschen zur Erweckung und zu einem kreativen und verantwortungsvollen Engagement im Leben zu verhelfen, war die zentrale Aufgabe, der Pir Vilayat sein Leben gewidment hat. Er leitete Seminare, Camps und Retreats in der ganzen Welt, organisierte interreligiöse Veranstaltungen und nahm an vielen internationalen Konferenzen über Spiritualität, Naturwissenschaft und Psychologie teil.

Pir Vilayat Inayat Khan hatte seinen ältesten Sohn Zia im Alter von zehn Jahren in Suresnes zu seinem Nachfolger ernannt. Auf diese Aufgabe wurde Zia neben der umfassenden mystischen Schulung durch seinen Vater vom Dalai Lama und anderen spirituellen Lehrern vorbereitet. Er studierte die Tradition der Chishtiyya und besonders die klassischen persischen Sufi-Meister. Seit seinem neunzehnten Lebensjahr leitete Zia den Ziraat-Zweig des Internationalen Sufi-Ordens.
Anläßlich der Feier zum Todestag (Urs) von Hazrat Inayat Khan am 5. Februar 2000 in New Delhi wurde er von Pir Vilayat Khan in den Rang eines Pirs eingeweiht, um zunächst den amerikanischen Zweig des Ordens zu leiten. Seit Juli 2002 hat Pir Zia Inayat Khan die Gesamtleitung der Organisation übernommen.

Indien 2000 - Pir Vilayat über den Urs und Pir Zia's Investitur

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