Einstimmung auf die Propheten der jüdischen Religion

Die Propheten der Wüste im Alten Testament sind so sehr Teil unseres Wesen geworden... Sie verließen die Städte, schockiert über die Dekadenz, die Gier unserer Zivilisation, und suchten Führung durch die Stimme Gottes. Wenn man Stunden und Tage durch die Wüste wandert, bekommt man ein Gefühl großer Reinheit - fern von der Verschmutzung und Dekadenz der großen Städte und vom Egoismus, der Gier und der Geldmacherei. Alles ist still, und die leiseste Brise kommt wie eine Stimme, die zu einem spricht. Da ist man sehr offen für die Botschaft des Universums an den Kosmos. Natürlich interpretiert man sie in seiner begrenzten Weise, aber dennoch ist man inspiriert durch das Gefühl der Notwendigkeit, den Menschen Führung zu geben, damit sie nicht diese schrecklichen Dinge tun, die in unserer Zeit zunehmend geschehen. Das wird als "die Botschaft" bezeichnet. Der Botschafter empfangt eine Botschaft und übermittelt sie den Menschen. Die Propheten kehren in die Städte zurück mit der Macht Gottes, und sie ist so groß, daß die Menschen sehr beeindruckt sind von dieser Macht, die durch die Macht von Moses kommt, durch die Macht Abrahams und durch die Macht Melchisedeks. Und so wirkt diese Botschaft die ganze Zeit weiter. Wir haben das Gefühl, daß die Geschicke der Menschheit durch die göttliche Führung gehütet werden, aber diese Führung kann nur wirksam werden, wenn wir sie erkennen. Die Qualität ist hier also nicht die Willenskraft von Shiva, sondern offen zu sein für die Führung. Diese Botschaft kommt in den Worten von Pir-o-Murshid zum Ausdruck, wenn er sagt: "Am Anfang des Universums ist alles in einem Zustand von Chaos, und nach und nach versucht jedes Wesen, seinen Platz in dem Plan des Ganzen zu finden." Ordnung wird also aus Chaos geboren. Was wir daher das Gesetz nennen, ist die Macht der Ordnung, die Ordnung ins Chaos bringt. Das ist die Botschaft Israels.

Ich glaube, daß die Propheten des Alten Testaments in unserem Denken eine sehr große Rolle spielen, sie sind immer da irgendwie, auch wenn nicht ganz bewußt. Man stellt sich vor, wie sie in der Wüste gingen, ganz allein, und haben dann die Stimme von Gott gehört und kamen zurück und haben der großen Menge der Menschen eigentlich Vorwürfe gemacht, daß sie den göttlichen Gesetzen nicht gefolgt sind, und sie gewarnt, daß sie es machen sollten, sonst ginge es schlecht. Und ich glaube, wir leben in einer Zeit, in der es mehrere Propheten gibt, die sagen: Also, wenn Sie so weiter machen, wehe, was auf der Erde geschieht! Vielleicht haben sich die Propheten des Alten Testaments jetzt vervielfältigt. Jeder von uns hat in sich ein Gefühl, daß man die Menschen warnen sollte, daß man nicht so weitermachen darf. Wir sprechen von Freiheit, aber man braucht auch Disziplin. Ein Kind hat es gern, wenn es weiß: Du darfst bis dort gehen, aber nicht weiter. Das gibt dem Kind ein Gefühl von: Ja, ich bin beschützt durch diese Gesetze. Deswegen bedeutet das Judentum für den Universellen Gottesdienst die Religion der Gesetze. Nun gibt es irgendwie einen Irrtum in der Art und Weise, in welcher das Alte Testament übersetzt wurde, denn in der üblichen Ausgabe, die man hat, heißt es: Moses hat gehört: Ich bin, der Ich bin. Und im jüdischen Testament heißt es eigentlich: Ich bin, der Ich werde. Das macht alles aus. Und die Sufis würden sagen: Ich bin, wie Ich werde in dir - oder: als du.

(Text-Zusammenstellung aus Meditationen mit Pir Vilayat Inayat Khan)

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