Der Internationale Sufi-Orden



Dreh mich, wie ein Wasserrad den Mühlstein dreht.
Wasser in Hülle und Fülle, ein lebendiger Fluß.
Halt mich fest an einem Ort, und streu die Liebe ziellos aus.
Blätterregungen im Wind, Stroh, zu Bernstein hingezogen,
alle Teile der Welt sind verliebt,
aber sie verraten ihre Geheimnisse nicht: Kühe, die auf einem
Altartisch grasen, Ameisen, die in Salomos Ohr flüstern,
Berge, die ein Echo murmeln. Himmel, friedlich-still.
Wäre die Sonne nicht verliebt, dann hätte sie keine Helligkeit,
der Hang des Hügels keine Grasdecke.
Der Ozean würde allmählich irgendwo zur Ruhe kommen.

Sei ein Liebender wie sie, damit du allmählich deinen GELIEBTEN kennst.
Sei treu, damit du vielleicht die TREUE kennenlernst.
Die übrigen Teile des Universums nahmen nicht
die nächste Verantwortung der Liebe auf sich, wie du dies vermagst.
Sie hatten Angst, sie könnten einen Fehler begehen
mit ihr - der erleuchteten Kenntnis,
die dem Verliebtsein entspringt.

Rumi: Die nächste Verantwortung nach dem Verliebtsein

Was ist Sufismus?

»In unserer Zeit ist es überaus wichtig, daß der Mensch seine Persönlichkeit erforscht, um dort die verborgenene Inspiration und Kraft zu finden, auf die er sein ganzes Leben aufbauen kann. Das Leben hat eine umfassendere Bedeutung, als bloß zu leben; es ist die Gelegenheit, sich zu veredeln und jene Vollkommenheit zu erreichen, die das innerste Bedürfnis jeder Seele ist... Die Lösung für die Probleme unserer Zeit liegt in der Möglichkeit begründet, daß die Menschheit zum Bewußtsein der göttlichen Natur des Menschen erwacht.« Hazrat Inayat Khan

Es ist nicht leicht, den Sufismus zu definieren, denn er ist weder eine Religion noch eine bestimmte Lehre. Wer dem Sufismus folgt, ist nicht auf bestimmte Dogmen, Rituale oder spirituelle Techniken festgelegt.

Sufismus im tieferen Sinn des Wortes hat es seit der Existenz des Menschen immer gegeben. Er ist eine uralte Weisheit und zugleich eine Methode der geistigen Schulung, die den Menschen befähigt, diese Weisheit in seinem täglichen Leben zu verwirklichen. Sufismus gibt eine den jeweiligen Bedurfnissen der Zeit und Kultur entsprechende Antwort. Traditionen des Sufismus lassen sich zurückverfolgen bis in die Zeit Abrahams, des Vaters dreier großer Religionen, und es gibt Verbindungen sowohl zu den ägyptischen Mysterienkulten wie zu den griechischen und den altpersischen Weisheitstraditionen.

Das Wort »Sufi«, das in der islamischen Tradition erstmals auftaucht, wird mit dem griechischen Wort »sophia«, Weisheit, in Verbindung gebracht; andere leiten es von dem arabischen »saf«, rein, ab, wieder andere von dem persischen »suf«, Wolle, weil die alten Sufis reinwollene Gewänder trugen.

Sufismus ist eine Weise, die Welt zu betrachten und in der Welt zu leben. Auch wenn der Sufismus auf keine besondere Form festgelegt werden kann, so lassen sich doch einige seiner Eigentümlichkeiten beschreiben. Anstatt den Rückzug aus der Welt zu verlangen, übt der Sufismus ein bewußtes Eintauchen ins Leben, indem er uns unterstützt, unsere höchsten Ideale mit unserem Alltagsleben zu verbinden.

Der Sufismus, wie ihn Hazrat Inayat Khan gelehrt hat, baut eine Brücke über die Grenzen und Differenzen hinweg, die die Menschen und Religionen voneinander trennen. Er ermöglicht es jedem Einzelnen, seine eigene Religion besser zu verstehen und zu leben, weshalb jedermann diesen Weg gehen kann, unabhängig von seiner Religionszugehörigkeit.

DER SUFI-ORDEN
EIN INTERRELIGIÖSER WEG ZU SPIRITUELLEM WACHSTUM

Der Sufi-Orden ist eine Gemeinschaft von Suchenden, die sich von dem gleichen Ideal, Gott und der Menschheit zu dienen, angezogen fühlen. Sein Ziel ist es, auf das Bewußtsein von der Einheit hinter der Vielfalt hinzuwirken und die Menschen durch ein tieferes Verständnis des Lebens einander näher zu bringen. Er möchte der Welt jene natürliche Religion bringen, die Religion des Herzens, die eigentlich schon immer die Religion der Menschheit gewesen ist und die vom gegenseitigen Respekt vor den Glaubensüberzeugungen, den Schriften und den Lehrern der verschiedenen Religionen geprägt ist. Die Sufi-Botschaft ruft die Menschheit auf, zum Bewußtsein des dem Menschen innewohnenden göttlichen Wesens zu erwachen.

Der Sufi-Orden ist eine Schule für die persönliche Transformation und er bereitet auf den Dienst an der Menschheit vor. Seine esoterischen Lehren vertiefen ein philosophisches Verständnis des Lebens. Die geistige Führung und Begleitung, die er anbietet, gibt Hilfe in den Problemen des inneren und des äußeren Lebens. Seine Mitglieder bilden eine Gemeinschaft von Menschen, die sich gegenseitig unterstützen, weil sie sich von den gleichen Idealen angezogen fühlen.

Im Sufi-Orden sind fünf mit einander in Beziehung stehende Tätigkeitsbereiche zusammengefaßt:

  • die esoterische Schule (die spirituelle Ausbildung der Schüler des Ordens),
  • der universelle Gottesdienst (der die grundlegenden Themen der Weltreligionen miteinander verbindet),
  • die Bruder-/Schwesternschaft (die sich dem mitmenschlichen Dienst verpflichtet fühlt),
  • der Heil-Orden (der ein Ritual zur geistigen Begleitung Kranker praktiziert) und
  • der Ziraat (eine Anwendung der Sufi-Prinzipien auf ein planetarisches und ökologisches Bewußtsein).


    DIE ZIELE DES SUFI-ORDENS:

    »Das Symbol der Sufi-Bewegung, ein Herz mit Flügeln, weist auf ihr Ideal hin. Das Herz gehört der Erde und dem Himmel an. Das Herz ist das irdische Gefäß des göttliches Geistes, und wenn es den göttlichen Geist in sich birgt, schwingt es sich zum Himmel empor. Die Flügel symbolisieren dieses Aufsteigen. Die Mondsichel im Herz ist ein Sinnbild für die Empfänglichkeit. Nur das Herz, das dem Geist Gottes antwortet, schwingt sich empor. Die Mondsichel ist deshalb ein Sinnbild für die Empfänglichkeit, weil sie größer wird, wenn sich der zunehmende Mond immer mehr der Sonne öffnet. Das Licht, das man in der Mondsichel sieht, ist ja das Licht der Sonne. Je empfänglicher der Mond ist, um so mehr leuchtet er auf, und so wird er immer mehr vom Licht der Sonne erfüllt. Der Stern im Herzen der Mondsichel stellt jenen göttlichen Funken dar, der sich im menschlichen Herzen als Liebe widerspiegelt und der zur Hilfe kommt, damit die Mondsichel zum vollen Mond heranwächst. « Hazrat Inayat Khan

    Das Flügelherz wird auch als Tughra des Sufiordens dargestellt.


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