eine Einladung an die Menschheit,
Schüler Gottes zu werden
- um Gott zu verwirklichen -

 

INVOKATION

Wir rufen den Einen an,

dessen Körper der Kosmos ist,
an dem wir in unseren Körpern teilhaben;

dessen Geist die Programmierung hinter
der existentiellen Erscheinung der Realität ist,
und an dem wir mit unserem Denken partizipieren;

dessen Gegenwart in unserem Wesen verborgen
ständig auf uns wartet,
und der doch jede Vorstellung übersteigt,
die wir uns von ihm machen können.

Und wir rufen all jene Wesen an,
die eine Ebene der Verwirklichung erlangt haben,
die uns inspiriert und uns hilft,
unserem Wesen Gültigkeit zu verleihen
und den Zweck unseres Lebens zu erfüllen.


»Kreativität wird in Zukunft nur dann akzeptabel sein,
wenn sie eine Bedeutung für die Menschheit hat.«
(David Bohm)

 »Der spirituelle Weg Pir-o-Murshid Inayat Khans führte ihn dazu, sich über die Tradition seiner Sufi-Vorgänger hinaus in eine noch umfassendere Weite auszubreiten, als er sie sogar bei den liberaleren Sufis des Chishti-Ordens in Indien fand. Diese große Spannweite brachte er in den Universellen Gottesdienst ein; aber er sah klar voraus, daß die Botschaft für unsere Zeit nicht einfach ein synkretistischer Vergleich dessen sein konnte, was die großen Weltreligionen in ihrer Vielfalt und Fülle uns geschenkt haben. Die ursprüngliche Erkenntnis der Wegbereiter der Religionen - Patriarchen, Rishis, Propheten, Meister, Heiligen, der weiblichen Derwische - ist bei der Weitergabe durch Schüler und Interpreten und im Zuge der "Institutionalisierung der Spiritualität" oft verdreht oder umgedeutet worden.

Die Dogmen und Meditationsmethoden dieser verschiedenen Religionspioniere scheinen einander auf den ersten Blick zu widersprechen. Wenn man ihre Lehr- und Glaubenssätze jedoch im Licht der heutigen Perspektiven und vor allem in einer projizierten Vision der Zukunft neu überdenkt und auf den heutigen Stand bringt, lernt man zu schätzen, wie sie in ihrer Komplementarität zusammenspielen. Das ist das Werk, das Pir-o-Murshid Inayat Khan begonnen hat, und wir sind aufgefordert, es mit dem "Universel" fortzusetzen. Die Sufi-Tradition bleibt der Same, der eingebettet ist in diese Blütenpracht der Spiritualität, die er die Universale Botschaft nannte - den "Universel", der das neue Jahrtausend ankündigt.«

»Der Universel ist ein Tempel aus Menschen. Der Sufi-Orden ist eine esoterische Schule wie die Essener, doch sie ist für die wenigen Menschen, die wirklich ein spirituelles Training und Führung wünschen. Aber das Bedürfnis der Menschheit ist viel umfassender - Menschen, die noch nicht bereit sind für ein persönliches Training, die sich jedoch angesprochen fühlen durch dieses Ideal von Einheit, der Einheit in der Vielfalt. Murshid hat Aspekte seiner Lehre eingeführt, die eine viel universellere Reichweite haben als der Sufi-Orden, z. B. den Universellen Gottesdienst.

Wenn man versucht, die Dogmen miteinander zu vereinbaren, dann verliert man sich. Während all der Jahre habe ich die Parallelen zwischen den Meditationsmethoden anstatt den Dogmen aufgezeigt; da findet man zumindest mehr Kompatibilität oder Komplementarität. Jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, wo sehr klar ist, daß viele der bestehenden Kriege und Konflikte religiös motiviert sind.

Das Ziel des Universellen Gottesdienstes ist es, die Perspektive der Botschaft zu zeigen, die weiter ist als der Synkretismus, der wirklich im Analysieren der Vergangenheit besteht. Und so müssen wir im Universellen Gottesdienst einerseits sehen, was die verschiedenen Religionen sagen, aber in den Vordergrund stellen, was die Botschaft sagt.

Was Pir-o-Murshid brachte, war absolut neuartig, absolut das erste Mal in der Geschichte der Welt, und das ist: alle Propheten und Meister und Heiligen sind Ihre Lehrer.

[Lesen Sie Hazrat Inayat Khan über den 'Geist des Sufismus'!]

Es gibt zwei Schritte. Der erste Schritt ist, sich den Lehrer vorzustellen, und der nächste Schritt ist, in das Bewußtsein des Lehrers einzutreten. Wenn Sie sich die Form oder das Bild vorzustellen versuchen, so ist es das, was im Islam Idolatrie genannt wird. Und Sie sehen, welche Gefahr Idolatrie auf der Welt darstellt, die Idolatrie eines Guru. Die Art der Sufis ist, in die Einstimmung zu gelangen, anstatt sich auf das Bild zu konzentrieren.

Stellen Sie sich vor, daß Sie in das Bewußtsein von Buddha eintreten, von Abraham, von Christus, von Mohammed, von Krishna, von Shiva - stellen Sie sich vor, was das bewirkt! Das ist etwas ganz anderes, als sich Jesus am Kreuz vorzustellen oder Buddha unter dem Baum sitzend oder Shiva mit einer Kobra um den Hals. Das bedeutet nicht, sie sich vorzustellen, wie sie waren, nicht einmal, wie sie sein könnten, sondern sie sich vorzustellen, wie sie jenseits der Zeit sind.

Sie wissen, ich liebe Scherze, und so stelle ich mir manchmal vor, wie Shiva heute wäre. Ich denke, er würde z.B. Seminare geben, um zu zeigen, wie man sein Immunsystem transformieren und die Gefahr von Krebs überwinden kann. Meisterschaft! Und Buddha, denke ich, wäre ein phantastischer Psychotherapeut. Ich stelle mir Abraham und Mohammed als die beiden Präsidenten der Abrüstungskommission vor. Ich weiß, das klingt wie ein Scherz, aber vielleicht liegt mehr Wahrheit darin, als man denkt. Und ich nehme an, es könnte eine Auswirkung auf die gegenwärtigen politischen Konflikte in der Welt haben.

In unserem persönlichen Training haben wir gelernt, in das Bewußtsein von Menschen einzutreten. Aber jetzt lernen wir, in das Bewußtsein der Meister, Heiligen und Propheten einzutreten. Das ist die Dimension des Curriculums für den Universel. Und ich kann Ihnen sagen, das wird Ihr Wesen völlig transformieren! Denn das Problem am persönlichen Training ist, daß es dabei um Ihre Person geht, und man ist niemals so groß, wie wenn seine Sache die Sache der Menschheit ist, anstatt seine eigene.

Und so ist der Universel wirklich der Dienst an der Menschheit; das sind Pir-o-Murshids Worte. Deswegen sagt er: Die Botschaft ist die Erweckung der Menschheit zur Göttlichkeit des Menschen - nicht die Erweckung des einzelnen Menschen. Man stellt den Dienst über das persönliche Interesse. Und glauben Sie mir, dann gehen Sie nicht mehr zum Psychotherapeuten wegen Ihrer Probleme, denn sie sind so unwichtig. Glauben Sie, daß Mutter Teresa von Kalkutta an ihre persönlichen Probleme dachte? Glauben Sie, sie hatte persönliche Probleme? Ich muß sagen, die einzige Art, der Menschheit zu dienen, ist, zu brennen, leidenschaftlich entschlossen zu sein.

Die Dogmen und Formen waren notwendig für weniger entwickelte Menschen, aber da die Menschheit sich weiterentwickelt, voranschreitet, müssen wir in der Lage sein, über diese Formen hinauszugehen.

Das ist also die neue Vision, aber es ist eine große Herausforderung, denn es könnte zu Unordnung führen. Es gibt die Worte von Bach:
"Das Geheimnis meiner Musik kennt niemand außer mir. Ich versuche, ein Modell für das menschliche Gemeinwesen zu schaffen - nicht Musik, das menschliche Gemeinwesen! - : für jedes Thema ein Instrument, für jedes Instrument ein Thema; nicht das Aufzwingen einer Melodie auf eine Begleitung; jede Stimme hat ihren Beitrag und muß schöpferisch sein, aber sie muß ihre Initiative im Interesse des Ganzen zügeln."
Und dann endet er mit den Worten: "Das ist die Harmonie der Sterne."

Ist das nicht phantastisch? Es kann also nicht frei für alle sein, denn dann gäbe es natürlich Unordnung. Einander zuhören, eine Meinung haben und einen Zusammenhang in diesen verschiedenen Meinungen finden. Es ist eine fortgeschrittene Form, ein fortgeschrittenes Modell und, so würde ich sagen, nur für spirituell entwickeltere Menschen. Das sagt Pir-o-Murshid: Es beginnt mit einer Lehrer-Schüler-Beziehung, und es endet mit Freundschaft, mit der wunderbarsten Freundschaft. Das beste Beispiel für diese Freundschaft ist vielleicht im gegenseitigen Respekt der Ritter zu finden. Sie kämpfen gegeneinander, aber sie respektieren sich gegenseitig. Voltaire hat gesagt: 'Ich stimme mit dem, was Sie sagen oder was Sie denken, nicht überein, aber ich würde mein Leben geben für Ihr Recht, es zu sagen'. Das ist die Art der großen Wesen, während die kleinlichen Wesen sagen: 'Du bist nicht meiner Meinung? - Raus!' Das ist der Unterschied. Und so hoffe ich, daß Sie das in Ihrer Arbeit im Sufi-Orden anwenden werden, und dann werden wir lernen, wie wir es im Universel tun können. Denn wenn Sie Menschen einladen, ihre Meinung zu äußern, wird es Streitigkeiten und Konflikte geben, und so muß man wissen, wie man sich einer anderen Meinung stellt und dabei zu seiner eigenen Meinung steht, aber mit Respekt.«

»Die Botschaft, die uns am Vorabend des Jahrtausendwechsels aufgetragen ist, lautet:
Die Selbstachtung aufrecht zu erhalten, die wir brauchen, um schön und erhaben zu sein.
Um schön und erhaben zu sein, müssen wir uns selbst bestätigen.
Um uns selbst zu bestätigen, müssen wir uns selbst lieben.
Um uns selbst zu lieben, müssen wir unseresgleichen bedingungslos lieben.
Um bedingungslos zu lieben, müssen wir den uns verwandten Wesen, so auch uns selbst, vergeben,
und so eine schöne, gesunde Welt schöner Menschen bauen: den Universel.
Vereint im Dienst einer großen Sache.«

(Texte von Pir Vilayat Inayat Khan)

Möge die Botschaft Gottes sich überall verbreiten!

Geliebtsein heißt aufbrennen. Lieben ist: Leuchten mit unerschöpflichem Öle.
Geliebtwerden ist vergehen, Lieben ist dauern. (Rilke)


Der Universel : Vision und Zielrichtung

Einige Gedanken zum Universel

Der Universel: Dem Einen entgegen - In aller Vielfalt

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