Einstimmung auf Zarathustra

Zarathustra wird in den Geschichtsbüchern als ein Magus dargestellt, als eine Art König, voller Licht - Licht in den Augen, umgeben von einer Aura von Licht. Seine Botschaft ist die Botschaft der himmlischen Sphären, Kontakt mit den Engelwesen. Die Erde wird als der Körper des Engels des Planeten Erde betrachtet, und jeder Stern ist der Körper eines Erzengels. Wir haben den Kontakt zu dieser himmlischen Wirklichkeit verloren, weil wir so erdgebunden sind und die Erde nicht mit dem wirklichen Wesen in Verbindung bringen, dessen Körper sie ist. Die Konsequenz davon ist, daß wir die Erde verschmutzen und sie für unsere selbstsüchtigen Bedürfnisse ausbeuten. Dagegen repräsentiert die Botschaft Zarathustras Reinheit aus Respekt vor der Heiligkeit der Wesen, deren Körper nicht nur der Planet Erde ist, sondern auch das Wasser, das Feuer, die Luft und so weiter. Es ist also eine wirklich tiefe Kommunion, und die physische Welt ist nur eine Verkörperung dieser Realität. Diese Erkenntnis taucht in unserer Zeit auf, und so lebt die Botschaft Zarathustras weiter und ist in der heutigen Zeit besonders bedeutungsvoll. Wir beginnen, den Planeten Erde als ein Wesen zu entdecken, und wir werden an die Notwendigkeit erinnert, die Heiligkeit dieses Wesens zu achten.

Ursprünglich war es die mazdäische Religion von - zum Beispiel - den drei Magiern, die Jesus besucht haben am Tag der Epiphanie. Es gibt so wenige Zoroastrier in Indien, es gibt einige in Bombay, und dann in Iran, aber sehr wenige. Aber sie hat eine sehr große Rolle gespielt in der Geschichte der Religionen - Zoroastrianismus ist sehr lebendig geblieben, aber geheim. Die Eingeweihten haben sich geheim getroffen, und ich glaube, das war der Anfang des Sufismus. Es ist die Tradition des Lichtes und der Erzengel und der Engel. Stellen Sie sich das Ideal vor, das man unter den Magiern findet. Sie sind etwa wie Könige und auch Königinnen. Es ist eine Tradition der Könige. Das ist Ihre göttliche Erbschaft, von der Pir-o-Murshid Hazrat Inayat Khan spricht - und man weiß es nicht mehr. Obwohl Christus gesagt hat: Seid vollkommen wie euer Vater. Also er sprach von dieser Erbschaft, und das ist genau, was die Sufiderwische zu tun versuchen: wieder der göttlichen Erbschaft bewußt zu sein. Und die Folge ist, daß man wie ein König wird oder wie eine Königin. Es ist eigentlich eine Hierarchie. Da ist Ahura Mazda als der Gipfel, dann Spenta Mainyu ... eigentlich der heilige Geist, und dann Vohu Manah ist vielleicht der heilige Gabriel des Christentums. Er ist eigentlich das Vorbild, der Archetyp der Menschheit. Und dann ist da Khshatra Vairyo, der ist eigentlich wie der Erzengel Michael, der kämpft! Er kämpft für die Wahrheit gegen die Lüge und gegen den Betrug, und das gibt natürlich eine sehr große Kraft. Und die Folge ist, daß die Zoroastrier die reichsten Menschen in Indien sind. Weil sie nie lügen. Sie machen jeden Tag ein Gelübde: Ich werde nicht lügen.

Und dann gibt es Ameretat und Haurvatat, die bedeuten Auferstehung und Verklärung. Und dann gibt es Spenta Armaiti, die ist ein weiblicher Erzengel - sie ist die Sophia der Griechen, Weisheit ist natürlich zu finden unter dem Weiblichen. Und man sagt: die Seele, nicht wahr, das ist weiblich. Das ist das, was sich offenbart in Ihrem Denken. Das Denken ist nicht mehr rational, sondern intuitiv. Und dann gibt es weitere Erzengel. Ushidarena ist ein weiblicher Erzengel, sie ist da in der Morgendämmerung über dem Berg, wenn man über die Brücke gegangen ist nach dem Tod. Drei Tage nach dem Tod muß man über eine Brücke gehen, und wenn man es schafft, dann kommt man in Kontakt mit dieser Erzengelin in der Morgendämmerung. Und die Brücke ist Zira'at.



Zarathustra ist ein sehr kraftvoller kosmischer Archetyp des Menschen, von Engelsarmeen umgeben, die einen unermüdlichen Kampf gegen das Böse führen, im vollen Bewußtsein der Bedeutung des Lebens auf dem Planeten und überall im Universum, in dem eine große Schlacht stattfindet. Er hat eine sieghafte Aura um sich, weil er die Kräfte des Lichts repräsentiert. Parzival ist wie Zarathustra, insofern beide zur Ritterschaft des Planeten gehören. Er sieht das Ziel in der Reinigung der Erde, in der Achtung vor der Würde der Körper all der Erzengel: des Wassers, der Erde, der Atmosphäre um den Planeten, die der Körper des Erzengels der Luft ist, der Pflanzen und Tiere, der Zellen im Körper des Erzengels der Tiere;- überall sind Wesen. In der heutigen Zeit kämpft er gegen die Vergewaltigung des Planeten durch chemische, akustische und mentale Umweltverschmutzung, um dem Universum seine ursprüngliche Würde wiederzugeben. Dies sind seine eigenen Worte: "Ein Instrument werden für die Transfiguration, die Verklärung der Welt". Man muß sich bewußt darum bemühen, Materie in Geist zu verwandeln in seinem eigenen Fleisch und Blut.

(Text-Zusammenstellung aus Meditationen mit Pir Vilayat Inayat Khan)

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